Eingewöhnung

Mit der Eingewöhnung beginnt für Kinder und Eltern der Lebensabschnitt Kindergarten. Alles ist neu, Personen, Räumlichkeiten, Abläufe, Rituale und die Kultur des Miteinanders. Alles will entdeckt und verstanden werden und Vertrauen muss sich entwickeln.

In dieser Zeit werden die Grundsteine für die Qualität der Beziehung zwischen ErzieherInnen und Kind und der zwischen ErzieherInnen und Eltern gelegt. Von daher genießt die Eingewöhnung einen hohen Stellenwert in unserer Einrichtung.
Kinder brauchen darüber hinaus die Sicherheit einer zuverlässigen Bindung, um angstfrei ihre Umgebung zu erforschen. 
Das fordert vom pädagogischen Personal eine empathische, wohlwollende und aufmerksame Haltung dem Kind gegenüber. Als Bindungspartner müssen sie stets zuverlässig und wohlwollend handeln und reagieren.
Eine positive Bindung ist die Grundvoraussetzung für eine gelingende Bildungsarbeit.
Alle neuen Eltern sind aufgefordert, für die Eingewöhnungsphase ausreichend Zeit ein zu planen.
Braucht jedes Kind eine sanfte Eingewöhnung?
Einige Kinder sind sehr offen und kontaktfreudig und trennen sich scheinbar problemlos von den Eltern. 
Die Wiener Krippenstudie hat aber 2007 belegt, dass diese Kinder dennoch mindestens genauso lange eingewöhnt werden sollten, wie Kinder, die mehr Trennungsängste zeigen. Denn bei den „pflegeleichten" Kindern treten die Trennungsängste nur verzögert auf. Wurden sie sehr schnell eingewöhnt, zeigten sie oft nach einiger Zeit negative Verhaltensauffälligkeiten und Zeichen von Unwohlsein.


Wie verläuft die Eingewöhnung?

Als Orientierung dient uns das Münchener Modell, sieh Anhang.
Das Gelingen einer Eingewöhnung ist von viele Faktoren abhängig:
Aus Sicht der Familie:
- Von grundlegender Bedeutung ist die Qualität der Bindung zwischen den Eltern 
bzw. den ersten Bezugspersonen und dem Kind.
- Hat das Kind Erfahrungen mit weiteren Bindungspersonen gemacht, und wenn, welcher Art waren diese Erfahrungen?
- Ist der Wunsch nach Betreuung aus einer inneren Überzeugung heraus entstanden, oder stehen wirtschaftliche Gründe im Vordergrund?
- Wieviel Zeit kann sich die Familie für die Eingewöhnung nehmen?
Aus Sicht der Einrichtung:
- Wieviel Personal steht zur Verfügung?
- Wie erfahren ist diese Personal?
- Wie viele Kinder werden zeitgleich eingewöhnt?
- Ist die pädagogische Betreuung der schon vorhandenen Kinder gewährleistet?
All diese Dinge bilden Variablen, die es gilt mit einzubeziehen, um eine gelingende Eingewöhnung zu gestalten. Die ErzieherInnen stehen während der Eingewöhnung im ständigen Kontakt mit den Eltern. Alle Schritte werden gemeinsam abgestimmt. Im Vordergrund steht immer das Wohl des Kindes.


Eingewöhnung U3-Kinder:

Bis die erste Trennung von den Eltern stattfindet, wird die tägliche Eingewöhnungszeit zwei Stunden betragen.
Es können verschiedene Zeiten abgesprochen werden. Ein Teil der neuen Familien 
kann von 08:00 Uhr bis 10:00 Uhr, der andere von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr kommen. So haben die ErzieherInnen mehr Möglichkeiten Kontakt zu den einzelnen Kindern auf zu bauen.
Ab 12:00 Uhr müssen wir uns wieder unserem Alltag widmen, Mittagessen, Ruhezeiten, Nachmittagsangebote.
Diese Phase wird ca. 4 - 6 Tage dauern.
Anschließend wird anhand bestimmter Merkmale entschieden, ob das Kind bereit ist für einen ersten Trennungsversuch. Als entsprechende Anzeichen gelten: 
• Kind erkundet entspannt und fröhlich die Gegend, ohne ständig nach dem Elternteil Ausschau zu halten
• kommuniziert mit Erzieherin/Tagesmutter/anderen Kindern
• lässt sich von Betreuungsperson füttern/wickeln
• spielt mit gewisser Ausdauer, kein ständiges, nervöses Wechseln der Aktivität
Dann erfolgt nach einem liebevollen, aber klaren Abschied der erste Trennungsversuch für etwa 30 bis 60 Minuten. Auch wenn das Kind heftig protestiert, soll nach dem Münchner Modell dieser Versuch nicht schon nach wenigen Minuten abgebrochen werden. Das Kind erhalte sonst nicht die Chance, mit seinem Trennungsschmerz umzugehen und, mithilfe der Betreuungsperson, aus dem Schmerz herauszufinden.
Je nach Reaktion des Kindes werden die Trennungszeiten ausgedehnt oder die 
Eingewöhnungszeit mit den Eltern muss verlängert werden. 
Die Eingewöhnungszeit wird 2 – 4 Wochen andauern.


Ü3-Kinder:

Für Ü3-Kinder gilt, auch wenn die Kinder älter sind und entsprechend mehr Erfahrungen haben, dasselbe Eingewöhnungsmodell wie für U3-Kinder (siehe: Braucht jedes Kind eine sanfte Eingewöhnung?).


Gruppenwechsel der Ü3-Kinder:

Ü3-Kinder die innerhalb der Einrichtung die Gruppe wechseln, haben im Laufe ihrer Kindergartenzeit alle MitarbeiteInnen und Kindergruppen kennengelernt. In den Monaten vor dem Gruppenwechsel werden Besuche in der entsprechenden Gruppe angeregt und durchgeführt. Der letztendliche Wechsel stellt nur noch einen symbolischen Akt dar, der mit entsprechenden Ritualen begleitet wird.
Erfahrungsgemäß wechseln die Kinder mit Freude in die ‚große‘ Gruppe, heiß das doch, dass sie selber groß sind. Das macht sie stolz.